Wenn wir im Sommer draußen sind, weitet sich unser Blick. Der Himmel wirkt höher, das Licht ist intensiver und die Welt scheint in ihrer vollen Pracht zu stehen. Es ist die Zeit der Fülle. In der Bibel heißt es in Psalm 36,6: „Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.“ Im Alltag tragen wir oft schwer an unseren Pflichten, Sorgen und Terminen.

Doch der Sommer lädt uns ein, für einen Moment „Gepäck“ abzuwerfen. Jesus sagt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ (Matthäus 11,28). Erquicken – das klingt nach einem kühlen Schattenplatz an einem heißen Tag, nach einem tiefen Atemzug frischer Waldluft. Gott möchte nicht, dass wir uns erschöpfen. Er gönnt uns die Pause. Wir sehen auf den Feldern, wie alles wächst. Aber das Getreide wächst nicht schneller, wenn wir daran ziehen. Es braucht Sonne, Regen und Zeit. So ist es auch mit unserem Glauben und unserem Leben: Vieles liegt nicht in unserer Hand. Der Sommer lehrt uns das Vertrauen, dass Gott im Verborgenen wirkt, während wir ruhen. Wir dürfen die Kontrolle ein Stück weit abgeben und darauf vertrauen, dass er für das Wachstum sorgt.

Die langen Tage schenken uns viel Licht. Dieses Licht ist ein Abbild der Gegenwart Gottes. Wenn wir die Sonne auf der Haut spüren, können wir uns daran erinnern: Ich bin von Gott gewollt und geliebt. Sein Angesicht leuchtet über mir. Nehmen wir diese Wärme tief in uns auf, damit sie uns auch in den dunkleren oder kühleren Tagen des Lebens wärmen kann.

Guter Gott, danke für die Wärme dieses Sommers. Öffne meine Augen für die Schönheit deiner Schöpfung. Lass meine Seele zur Ruhe kommen, so wie die Natur im Abendlicht zur Ruhe kommt. Schenke mir neue Kraft für alles, was vor mir liegt, lass mich spüren, dass du mich auf all meinen Wegen begleitest. Amen.

Ingrid Sichart

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