Neues aus der Villa Kunterbunt

„Hallo Frau Walz!“

Mit freudiger Erwartung wurde Frau Walz und die kleine Pfarrerin (Handpuppe) im Stuhlkreis begrüßt. Doch oje, Frau Walz leerte ihre Tüten und Kisten einfach in der Mitte des Kreises aus. Vor uns lag ein Haufen mit Tüchern, Holztieren, Holzfiguren, Sterne, Wolken, Blumen usw… 

Ein Kind sagte nur: „Was für ein Durcheinander!“ Frau Walz meinte, so hat Gott unsere Welt nicht erschaffen. Gott hat uns eine wunderbare Welt geschenkt, die ihre Ordnung hat. Fleißig und mit viel Geduld sortierte sie gemeinsam mit den Kindern erst einmal den Haufen. Danach gestaltete sie mit den Materialien die Schöpfungsgeschichte. Mit jedem Schöpfungstag wurde die Welt bunter und vielfältiger. Die Kinder halfen ihr und hörten aufmerksam zu. 

Zum Schluss durfte sich jedes Kind in einem Spiegel mit den Worten: „Ich bin auch dabei auf dieser Erde, das ist gut so!“, entdecken. Danke, Frau Walz, dass Sie wieder für uns Zeit hatten. Die Kinder freuen sich schon auf Ihren nächsten Besuch.

Das Durcheinander am Anfang – das „Tohuwabohu“
Wenn man ein großes Chaos/Durcheinander meint, spricht man oft von einem „Tohuwabohu“. Ein Ausdruck in hebräischer Sprache, der in der Bibel gleich im zweiten Satz steht. Deutsche Übersetzungen übersetzen das hebräische „tohu wa bohu“ meist mit „wüst und leer“.

Und zwar ist dort im ersten Kapitel der Bibel die Erde „wüst und leer“. Der sogenannte erste Schöpfungsbericht erzählt, wie Gott aus dem Chaos eine geordnete Welt erschafft.

Vom Wirrwarr zum Kosmos
Das Schöpfungslied 1. Mose 1,1-2,4 

In unser aller Leben gibt es das: Das Durcheinander, Wirwarr… Durcheinander, Wirrwarr, Chaos. Wenn das Chaos überhandnimmt, bekommen wir Angst. Wir sehnen uns dann danach, dass aus Chaos und Wirrwarr wieder Ordnung wird. 

Das erste Schöpfungslied am Anfang der Bibel führt uns diesen Übergang vor Augen. Gott bändigt das Chaos und schafft eine geordnete Welt: „Gott sprach, es werde …“ Und dementsprechend geschah es … „Und Gott sah, dass es gut war. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen…“ In strengem Gleichklang und klarer Rhythmik folgt Strophe auf Strophe und vermittelt den Eindruck, als sei die Welt, von der es erzählt, ebenso übersichtlich, durchsichtig, geordnet. 

Aber erfahren wir unsere Welt nicht allzu oft eher als undurchsichtig und chaotisch, bedrohlich und bedroht? Wo finden wir Halt im Durcheinander, im Chaos des Lebens?

Ordnungen der Welt wahrnehmen, die Gott uns schenkt.
Auf Gottes Ordnung sollen wir bauen. Deshalb sagt der prophetische Erzähler in seinem Schöpfungslied so pointiert: Gott ordnet, nicht der Mensch. Der Blick auf Gottes Ordnungen hilft uns, umzugehen mit der Kompliziertheit der Welt, mit Ohnmacht und Haltlosigkeit, mit den Brüchen und Abbrüchen unseres Lebens.

Gott hat als Anfang von allem gesagt „Es werde Licht!“, und es wurde Licht, Sinnhaftigkeit gegen Sinnlosigkeit. Auch wenn ihr, so sagt uns das Schöpfungslied, in Situationen kommt, in denen ihr nur Finsternis und Sinnlosigkeit um euch seht: Gottes Schöpferwort trägt unsere Welt und entreißt sie fortdauernd dem Chaos und dem Tod. 

Die Schöpfung selber läuft auf den siebenten Tag zu. Am siebten Tag ruhte Gott von all seiner Schöpfungsarbeit. Er schaute sein Werk an, das so, wie es war, gut war. Und so vollendete sich die ganze Schöpfung in der Feier und der Freude des siebten Tages. Gott segnete diesen siebten Tag. 

Das Schöpfungslied lädt uns ein, an diesem Tag mit Gott die Schöpfung zu feiern und sie trotz aller Chaoserfahrungen gutzuheißen. Die Feier dieses (Sonn-) Tages ist der handgreifliche Ausdruck unseres Glaubens, dass Gott letztlich alles gut macht hat und uns aus Chaos und Tod errettet. Für uns Christen offenbart sich das tiefste Geheimnis dieses Tages im Osterfest. Das Osterfest, das den Sieg des Lebens über Chaos und Tod feiert, ist Vollendung der Schöpfung.

Pfarrerin Heimtraud Walz

… und ich freue mich auch auf meinen nächsten Besuch in der Villa Kunterbunt, bei den Kindern der Eisbären, Dinos, Fledermäuse und Füchse!

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