Andacht 01.2018

An eine Fortbildung zum Erzählen im Kindergottesdienst kann ich mich besonders gut erinnern. Gegen Ende erhielten wir noch die Aufgabe, wenige Verse aus der Weihnachtgeschichte darzustellen. Wir sollten uns die Szene der biblischen Verse vorstellen und nachspielen, um im Nachspielen zu entdecken, das hinter knappen Andeutungen oft eine viel größere Szene steckt. Wir waren zu zweit in unserer Gruppe und bekamen die Verse der himmlischen Heerscharen auf dem Felde bei den Hirten. Zu zweit? Wie sollte das möglich sein? Wir entschieden uns, zwei Hirten zu sein, die in die Nacht hinein lauschen und staunend die Engel wahrnehmen und hören: „Siehst du das auch? Hast Du das auch gehört, gespürt?“ Auf einmal ging es gar nicht mehr so sehr um das Erscheinen der Engel an sich, sondern es war die Botschaft, die anrührte, die das Gesicht in Staunen versetzte und die das Herz veränderte und schließlich die Hirten in Bewegung setzte.

Die Botschaft der Engel: Unser Wort „Engel“  kommt vom griechischen angelos, das ebenso wie das entsprechende hebräische Wort einfach „Bote/Gesandter“ bedeutet. Engel sind also Boten Gottes. Sie kommen mit einem Auftrag, hinter dem sie ganz zurücktreten. Engel sind sich selbst nicht wichtig. Kein anständiger Engel macht viel Aufheben um sich selbst als Erscheinung. Nicht die Engel an sich sind wichtig, sondern ihr Auftrag, ihre Funktion – ihre Botschaft.

Engel überwinden die Ferne zu Gott. Und die Gute Nachricht vor allem auch des Weihnachtsgeschehens ist es ja, dass die Gottesferne ein Ende hat. In Jesus kommt Gott selbst zu den Menschen. Ganz selbstverständlich ist deswegen hier auch wieder von Engeln die Rede. Doch die Botschaft, die sie verkünden, übersteigt alles zuvor Gekannte. Die Macht dessen, den sie verkündigen, die Macht dieses Kindes in der Krippe ist neu, ist anders: Durch die Liebe Gottes zu uns Menschen rettet er unser Leben, befreit er von Schuld und erlöst uns vom Tod. Es sind wieder Engel, die die Auferstehungsbotschaft zuerst verkündigen.

So wird man einen rechten Engel immer daran erkennen: Er wird nicht auf sich selbst verweisen, sondern allen Mut machen, sich Jesus anzuvertrauen.

So machen die Boten Gottes nun Menschen zu Botinnen und Boten des Evangeliums! Über Gottes Engel nachsinnen: das heißt für das Unerwartete offen bleiben, in dem mir Gottes Botschaft neu begegnet: Darum will ich meine Ohren nicht verschließen vor seiner leisen Stimme, sondern will mein Herz öffnen für Gottes Botschaft der Rettung.

Ihre Pfarrerin Heimtraud Walz

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